Ein Modell, das man besitzen kann
Die meisten bekannten KI-Dienste laufen auf Servern von Konzernen in den USA. Wer dort ein Dokument hochlädt, gibt es aus der Hand. Apertus ist anders gebaut. Das Modell wurde von ETH Zürich, EPFL und dem Hochleistungsrechenzentrum CSCS in Lugano entwickelt und im September 2025 veröffentlicht. Gewichte, Trainingscode und die Herkunft der Trainingsdaten sind offengelegt. Eine Behörde oder ein Unternehmen kann es auf eigenen Rechnern betreiben.
Laut swissinfo wurde Apertus im ersten Jahr über vier Millionen Mal heruntergeladen. Rund 40 Prozent der Trainingsdaten sind nicht englisch, darunter Schweizerdeutsch und Rätoromanisch.
Der erste Einsatz in einer Verwaltung
Der Kanton Tessin übersetzt Verwaltungsdokumente seit diesem Frühjahr mit einer Lösung auf Basis von Apertus. Laut Netzwoche mussten Dokumente zuvor von Hand anonymisiert werden, bevor sie an externe Übersetzungsdienste gingen. Jetzt bleiben die Daten in der Schweiz. Eingesetzt wird eine kompakte Variante des Modells, die auf vergleichsweise kleiner Hardware läuft. Zum Start haben rund hundert Mitarbeitende der Verwaltung das System getestet.
Wo es noch fehlt
Die Bilanz ist nicht nur positiv. Bei Aufgaben, die mehrere Denkschritte verlangen, bei Rechnen und bei Logik liegt Apertus hinter anderen offenen Modellen zurück. Die Digitalagentur Liip sieht Fortschritte in Version 1.5, setzt das Modell aber noch nicht in Kundenprojekten ein. Ein Grund: Es hält sich nicht zuverlässig genug an die Quellen, die man ihm vorgibt.
Ein Teil davon ist eine bewusste Entscheidung. Apertus verzichtet auf Trainingsdaten, deren Herkunft nicht offengelegt werden kann. Das macht es transparent und rechtlich sauber, kostet aber Leistung.
Was das für Baugesuche heisst
Für eine Vorprüfung von Baugesuchen zählen genau die Punkte, bei denen Apertus heute noch schwach ist: Regeln korrekt anwenden, Masse rechnen, sich streng an die geltende Vorschrift halten. Eine Schweizer KI, die ein Baugesuch zuverlässig vorprüft, ist deshalb noch nicht in Reichweite.
Die Richtung stimmt trotzdem. Ein offenes Modell, das in der Schweiz läuft, löst die Frage, wo heikle Unterlagen landen. Für Bauakten mit Grundrissen, Eigentümerdaten und Verträgen ist das keine Nebensache. Ob die Leistung mit Version 2.0 reicht, wird sich 2027 zeigen.
