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KI im Baugesuch: Was die Zürcher Tests zeigen

Der Kanton Zürich hat geprüft, wo künstliche Intelligenz im Bewilligungsverfahren hilft. Die Antwort ist nüchtern. Für Bauherrschaften enthält sie trotzdem eine klare Botschaft.

Fixpunkt 01, Planung & Bewilligung, Stand 17.06.2026

Sandbox
englisch: SandkastenGeschützter Testraum. Behörden und Firmen erproben darin neue Technik unter echten Bedingungen, bevor feste Regeln dafür bestehen.

Das Wichtigste in Kürze

  1. Der Kanton hat zusammen mit der Stadt Kloten und drei Firmen untersucht, wo KI Gemeinden, Fachstellen und Gesuchstellende entlasten kann.

  2. Die getesteten Modelle arbeiteten unterschiedlich zuverlässig. Am grössten waren die Unterschiede beim Lesen von Plänen.

  3. Bei einfachen Meldeverfahren, etwa für Solaranlagen oder Wärmepumpen, brachten feste Regeln am meisten. Ein KI-Vorabcheck kam als Ergänzung hinzu.

  4. Laut Bericht wirkt die Technik nur, wenn Recht, Abläufe und Organisation mitziehen.

In eigenen Worten zusammengefasst.

Der Versuch

Viel Aufwand im Bewilligungsverfahren entsteht durch unvollständige Eingaben. Ein Plan fehlt, eine Fläche im Formular stimmt nicht mit der Zeichnung überein, ein Nachweis ist veraltet. Beim Kanton Zürich setzte deshalb ein Test in der kantonalen Innovation-Sandbox an. Das Team untersuchte die einzelnen Schritte des Verfahrens und baute einen Prototyp, der Meldungen für Solaranlagen, Wärmepumpen und Ladestationen vorab prüft.

Parallel liess der Kanton die Fachhochschule Nordwestschweiz eine breitere Studie erstellen. EspaceSuisse fasst sie so zusammen: Der grösste Nutzen liegt bei klar umrissenen, wiederkehrenden Arbeitsschritten. Die vollständige Automatisierung ist kein Ziel. Entscheiden wird weiterhin die Behörde.

Was Bauherrschaften daraus mitnehmen

Wenn Software Eingaben vorprüft, fallen Lücken früher auf. Ein vollständiges Gesuch mit stimmigen Plänen und Kennwerten kommt dann schneller durch. Ein unsauberes kommt schneller zurück.

Dass die Modelle ausgerechnet beim Planlesen schwanken, überrascht uns nicht. Ein Bauplan ist eine dichte Fachsprache aus Linien, Massen und Signaturen. Ein Programm, das Texte gut zusammenfasst, liest deshalb noch lange keinen Schnitt richtig. Die fachliche Prüfung durch Menschen bleibt vorerst nötig, auf der Seite der Behörde wie auf unserer.

Schneller werden zuerst die einfachen Fälle mit eindeutigen Regeln. Bei Neubauten, Umbauten im Bestand oder Projekten mit Ermessensspielraum geht es um Einordnung und Abwägung. Das bleibt Beurteilungssache.

Digital wird das Gesuch ohnehin

Im Kanton Zürich müssen ab dem 1. April 2027 alle Baugesuche über die kantonale Plattform eingereicht werden. Basel-Stadt hat laut it-markt.ch seit Februar 2026 weitgehend umgestellt. Erst digitale Unterlagen machen automatische Vorabchecks möglich. Die übrigen Kantone sind unterschiedlich weit.

Unsere Einordnung

Der Bericht verspricht nicht, dass KI das Verfahren erledigt. Er zeigt, wo sie heute hilft: bei Vollständigkeit, Widersprüchen und einfachen Regelfällen. Für unsere Arbeit heisst das, die prüfbaren Punkte eines Projekts früh und vollständig zu klären. Ob ein Vorhaben bewilligungsfähig ist, zeigt sich in der Machbarkeitsstudie und in der Qualität der Eingabe, lange bevor ein Amt oder eine Software darauf schaut.

Emre Erdönmez

Kommentar

Emre Erdönmez
Architekt M.Sc., Geschäftsführer E E Architektur Design

Der Einsatz von KI im Bauwesen lässt sich nicht mehr aufhalten, und die Digitalisierung der Bewilligungsverfahren ebenso wenig.

Den Anstoss geben dabei weniger die Ämter selbst. Bauherrschaften und Architekturbüros arbeiten schon heute mit KI-Werkzeugen, und das Angebot wächst laufend. Je mehr Eingaben auf diesem Weg entstehen, desto stärker wird der Druck auf Bund und Kantone, solche Werkzeuge offiziell an ihre Plattformen anzubinden.

Die Bauämter sind vielerorts schon heute überlastet. Einheitliche Abläufe und eine automatisierte Prüfung der Routinepunkte halte ich deshalb für notwendig und sinnvoll. Allerdings nur bis zu einem gewissen Punkt: Wie sich ein Projekt ins Ortsbild einfügt oder wie Interessen abzuwägen sind, beurteilen weiterhin Fachleute.

Eine Schwäche darf man nicht übersehen: Dieselbe KI bewertet und liest nicht immer gleich. Für ein Verfahren, das für alle gleich gelten muss, ist das ein echtes Problem. Wichtig wird deshalb, KI-Modelle in der Schweiz zu betreiben und direkt in die kantonalen Plattformen einzubinden. Messbare Punkte wie Abstände oder Höhen sollten nach festen Regeln geprüft werden. Wo die KI einen Hinweis gibt, muss sie die betroffene Vorschrift nennen, damit eine Fachperson ihn prüfen kann.

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